Aufnahme Neurologie-Epilepsie

Corona-Virus und Epilepsie

Manche unserer Patienten machen sich Sorgen, dass bei Menschen mit Epilepsie nach einer Infektion mit dem neuen Corona-Virus (SARS-CoV-2) die dadurch bedingte Covid-19-Erkrankung einen schwereren Verlauf nimmt.

Das Virus ist noch ziemlich neu und vieles ist noch nicht genau erforscht.

Aber nach unserem aktuellen Wissensstand gibt es
keine erhöhte Gefahr der Ansteckung oder
auf einen schwereren Krankheitsverlauf allein durch eine bestehende Epilepsie.

Das Virus scheint besonders ältere Menschen und solche mit Begleitkrankheiten zu gefährden (vorbestehende Lungenerkrankung, Immunschwäche, immunschwächende Behandlungen, Zuckerkrankheit oder schwere Herz- und Nierenerkrankungen).

In Einzelfällen kann also eine Erkrankung, die zusätzlich zu einer Epilepsie vorliegt, das Risiko für einen schwereren Covid-19-Krankheitsverlauf erhöhen.

Das gilt auch für eine zusätzliche Mehrfachbehinderung, besonders wenn sie mit Atem- oder Schluckstörungen einhergeht.
Hier finden Sie unsere Informationen zum Corona-Virus in Leichter Sprache.

Grundsätzlich gelten für Menschen mit Epilepsie die
gleichen medizinischen Ratschläge wie für die Allgemeinbevölkerung:

  • gründlich Hände Waschen, 20 Sekunden mit Seife, besonders vor jedem Essen
  • nicht ins Gesicht oder an die Augen fassen
  • in die Ellenbeuge Husten oder Niesen, Papiertaschentuch sofort in den Müll entsorgen
  • körperliche Nähe zu Mitmenschen außerhalb der Lebensgemeinschaft vermeiden

Bestimmt haben Menschen mit Epilepsie einige spezielle Fragen, zu denen wir Sie kurz beraten möchten (Stand 3.4.2020):

Kann eine Infektion mit dem neuen Corona-Virus zu mehr Anfällen führen?

Wie bei jeder fiebrigen Erkrankung (z.B. Bronchitis, Blasenentzündung) besteht bei einigen Menschen mit Epilepsie die Gefahr, dass Anfälle vermehrt auftreten. Deshalb sollte hohes Fieber frühzeitig medikamentös gesenkt werden, z.B. mit Paracetamol. Wenn beim einzelnen Patienten eine deutliche Anfallszunahme durch Fieber bekannt ist, sollte besonders gewissenhaft auf die Infektionsprophylaxe geachtet werden.

Ob theoretisch denkbare Nachteile von Ibuprofen bei einer Covid19-Erkrankung von Bedeutung sind, ist bislang unbekannt. Wenn bei Ihnen eine Anfallszunahme durch Fieber bekannt ist und Paracetamol nicht zur Verfügung steht, dann ist es wahrscheinlich besser, hohes Fieber ggf auch mit Ibuprofen zu senken als gar nicht. Bitte halten Sie dazu Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt oder rufen Sie in der Spezialambulanz an. Nutzen Sie auch Hausmittel zum Fiebersenken wie Wadenwickel.

Wadenwickel: Achtung, nur bei warmen Füßen und Händen anwenden! Bei Erwachsenen und Jugendlichen Tücher mit kühlem Leitungswasser (16-20°C) anfeuchten und diese enganliegend um die Waden (zwischen Knöchel und Knie) des Fieberpatienten wickeln. Der Körper kühlt dann langsam runter. Sobald der Wickel warm ist, erneuern Sie ihn.

Ich bin leider nicht anfallsfrei, was ist jetzt zu beachten?

Wenn bei Ihnen trotz regelmäßiger Medikamenteneinnahme gelegentlich Anfälle auftreten, vermeiden Sie, dass Sie unnötigerweise in die Notfallaufnahme eines Krankenhauses gebracht werden, wenn Sie einen üblichen Anfall ohne Verletzung und mit für Sie normal rascher Erholung gehabt haben. Vermeiden Sie Aufenthalte in der Öffentlichkeit ohne eine informierte Begleitperson, die Augenzeugen oder Rettungssanitäter über Ihre Epilepsie informieren könnte.
Falls vorhanden, nehmen sie Ihren Epilepsie-Ausweis mit.

Besteht Gefahr durch Medikamenten-Engpässe?

Viele Betroffene wissen aus eigener Erfahrung, dass es schon vor Beginn der Corona-Epidemie gehäuft Lieferschwierigkeiten für Epilepsie-Medikamente gab. Es ist vorstellbar, dass diese Probleme in den nächsten Wochen und Monaten zunehmen könnten. Nach unserem Kenntnisstand besteht bei den meisten Epilepsie-Wirkstoffen derzeit aber keine Gefahr von Lieferschwierigkeiten aufgrund der aktuellen Situation.

Wir raten jedoch allen Epilepsie-Patienten, rechtzeitig einen persönlichen Medikamenten-Vorrat für mindestens 3 Monate anzulegen.

Was soll ich machen, wenn nur ein Medikament eines anderen Herstellers als bisher zur Verfügung steht?

Grundsätzlich sollte der Hersteller eines bestimmten Medikamentes nicht grundlos gewechselt werden, da dies in seltenen Fällen zu Änderungen des Blutspiegels führen kann.

Viel wichtiger ist es allerdings, ein Medikament mit dem gleichen Wirkstoff in der gleichen Dosis wie bisher zu erhalten.

In der aktuellen Situation raten wir, lieber rechtzeitig einen Medikamenten-Vorrat eines anderen Herstellers zu besorgen, als das Risiko einzugehen, dass die Medikamente ausgehen.

Bisher war der Apotheker in der Regel verpflichtet, nur ein Medikament abzugeben, mit dessen Hersteller die jeweilige Krankenkasse einen Rabattvertrag geschlossen hatte. Nach dem Vorbild der AOK Rheinland/Hamburg verzichten nun zunehmend auch andere Krankenkassen vorübergehend auf diese Abgaberegel.

Achten Sie auf eine regelmäßige Einnahme Ihrer Antiepileptika.

Was soll ich machen, wenn ich vermute, daß bei mir Covid-19 Erkrankung besteht?

In begründeten Fällen mit entsprechenden Symptomen grundsätzlich zunächst telefonische Beratung über den Hausarzt oder Arztruf 116 117.
Gehen Sie bitte nicht direkt zum Hausarzt oder in ein Krankenhaus.

Wenn Sie einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das neuartige Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden.

Was muß ich beachten, wenn bei mir eine Covid-19-Infektion festgestellt wurde?

Die meisten Menschen mit Covid-19-Infektion haben nur milde Symptome. Eine spezielle oder gar stationäre Behandlung ist nur selten nötig.

  • Die Epilepsiemedikamente sollten regelmäßig weiter eingenommen werden.
  • Achten Sie auf ausreichend Schlaf sowie Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Neurologen, ob bei Ihnen eine Notfallmedikation sinnvoll ist, und wann diese gegebenenfalls eingenommen werden sollte.

Bitte informieren Sie die behandelnden Ärzte über Ihre Epilepsie und die genaue Medikamenteneinnahme. Haben Sie am besten immer einen Medikamentenplan und – falls vorhanden – einen Arztbericht zur Hand. Wegen möglicher Arzneimittel-Wechselwirkungen (verschiedene Medikamente beeinflussen sich gegenseitig) muss Ihre Medikation den Behandlern bekannt sein.

Ich bin Patient der Epilepsieambulanz des Ev. Krankenhaus Alsterdorf. Ich brauche ein Rezept für Epilepsie-Medikamente.

Bitte kommen sie deshalb nicht in unsere Ambulanz. Rufen Sie uns an und teilen uns die Fax-Nummer Ihrer Apotheke mit. Wir faxen dann das Rezept direkt dorthin. Dort können Sie die Medikamente abholen (lassen). Manche Apotheken bieten in dringenden Fällen oder bei Quarantäne auch einen Botendienst an.

Kann ich meinen Routine-Termin in der Ambulanz wahrnehmen?

Grundsätzlich ist unsere Epilepsieambulanz weiterhin normal in Betrieb.

In folgenden Fällen sollten sie jedoch den Termin nicht wahrnehmen und vorher telefonisch absagen:

  • Sie waren in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet oder hatten engen Kontakt zu einem an Covid-19 Erkrankten.
  • Sie leiden aktuell an Husten/Schnupfen und/oder Fieber.
  • Sie gehören einer Risikogruppe an:
    – Immunschwäche oder immunschwächende Behandlungen ( z.B. Everolimus [Votubia®] bei TSC ; z.B. Cortison, Rituximab oder Azathioprin bei Autoimmun- Epilepsien oder anderen Erkrankungen ; Chemotherapie bei Krebserkrankung)
    – Alter über 60 Jahre und Begleiterkrankungen wie Lungenkrankheit, Zuckerkrankheit oder schwere Herz- und Nierenerkrankungen
    – Sie haben eine schwere Mehrfachbehinderung oder ein Down-Syndrom.

Was mache ich bei dringendem Behandlungsbedarf (z.B. Anfallshäufung)?

Bitte nehmen Sie telefonisch Kontakt auf. Wir klären dann, ob Sie in die Ambulanz kommen können. Wir bieten auch eine Video-Sprechstunde an, siehe nächster Punkt.

Video-Sprechstunde in unserer Spezialambulanz

Um bei dringendem Bedarf eine Beratung durchführen zu können, ohne dass Sie in unsere Ambulanz in Alsterdorf kommen müssen, haben wir eine Video-Sprechstunde eingerichtet. Diese erfolgt zunächst vorübergehend während der Corona-Krise, um eine bessere Versorgung unserer Patienten zu ermöglichen.

Dazu müssen zunächst telefonisch Termine vereinbart werden ( 040 – 5077 – 3966 ).

Sie erhalten dann eine Email oder eine SMS mit dem Link zur Sprechstunde.

Sie müssen ein Mobiltelefon mit freigeschalteter Front-Kamera oder einen Desktop-/Laptop-/Notepad-PC mit Kamera benutzen, wie beim Skypen oder Videotelefonie über z.B. WhatsApp.

Bitte halten Sie Ihre Versichertenkarte und Personalausweis bereit, damit wir aus Datenschutzgründen Ihre Identität überprüfen können.

Wir verwenden eine von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zertifizierte Software und achten sorgfältig auf den Schutz Ihrer persönlichen Daten.

Ich erhalte eine das Immunsystem schwächende Behandlung. Sollte ich diese Medikamente absetzen?

Inwieweit eine immunschwächende Behandlung das Risiko, sich mit SARS-CoV2 Viren anzustecken, erhöht oder möglicherweise dann zu einem schwereren Krankheitsverlauf führt, ist nicht genau bekannt. Mit einem erhöhten Risiko muss jedoch gerechnet werden.
Nach den derzeitigen Erkenntnissen sollte eine immunschwächende Behandlung meist wie geplant fortgesetzt werden. Ob es sinnvoll sein könnte, diese Therapie vorübergehend auszusetzen oder die Dosis zu verringern, muss ganz individuell für den einzelnen Patienten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Bitte ändern Sie die Medikation nicht eigenmächtig.
Grundsätzlich sollten Sie jedoch ganz besonders auf Handhygiene achten (mit Seife waschen oder mit >60% Alkohol desinfizieren). Fassen Sie Gegenstände, die viele andere Menschen berühren (Türklinken, Geländer, Haltegriffe, Einkaufswagen), möglichst nur mit einem Papiertuch an. Meiden Sie die körperliche Nähe zu anderen Menschen („social-distancing“). Isolieren Sie sich so gut wie möglich selber und vermeiden Sie Kontakte von Angesicht-zu-Angesicht mit weniger als 1,5 m Abstand. Falls vorhanden, mindert eine FFP2-Mundnasen-Maske das Ansteckungsrisiko.

Ich bin schwanger, besteht ein besonderes Risiko für mich oder das Kind ?

Nach den derzeitigen Erkenntnissen gibt es keine Hinweise, dass Schwangere durch das SARS-CoV2-Virus stärker gefährdet sind als die Allgemeinbevölkerung. Auch eine Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind ist bisher nicht belegt worden. Allerdings gibt es noch kaum Berichte über den Verlauf bei einer Infektion in den ersten beiden Dritteln der Schwangerschaft.  Da Schwangere einer jüngeren Altersgruppe angehören, wird im Falle einer Ansteckung erwartet, dass in den meisten Fällen keine schweren Symptome auftreten.

Bitte achten Sie besonders auf Händehygiene und „social-distancing“, also Abstand zu anderen Menschen halten.

Zur Vereinbarung eines Termins in der Spezialambulanz des Epilepsie-Zentrums Hamburg wählen Sie bitte Tel. 040/50 77 39 66.

Unsere Fragenliste wird fortlaufend ergänzt. Sie haben auch eine Frage? Dann schreiben Sie an info@epi-hamburg.de – Wir versuchen schnellstmöglich zu antworten und veröffentlichen die am häufigsten gestellten Fragen auf dieser Seite.


Weitere Informationen finden Sie z.B. hier:

Stadt Hamburg
www.hamburg.de/coronavirus/

BMG – Bundesministerium für Gesundheit
www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html

BzgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
www.infektionsschutz.de/coronavirus/

RKI – Robert Koch Institut
www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html
www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete.html

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